Freitag, 1. November 2013

Not my femininism

Wir stellen uns entschieden gegen jegliche Bevormundungspolitik und deswegen auch entschieden gegen den Appell gegen Prostition aus der aktuellen Emma. Wir meinen, dass Menschen selbst entscheiden sollen, was sie mit ihrem Leben und vor allem mit ihrem Körper anfangen. Und wenn sich wer entscheidet Sexarbeit nach zu gehen, dann sollte diese Person eher durch uns gestärkt werden, indem wir ihre berufliche Entscheidung akzeptieren und diese Person auch alle "Vorteile" der Lohnarbeit genießen lassen, wie: Einen Lohn, eine Krankenversicherung, keine polizeiliche Repression und auch keine gesellschaftliche Ächtung.

Deswegen unterstützen wir den Appell FÜR Prostitution, der von Sexarbeiter_innen in Deutschland in Antwort auf Alice Schwarzer verfasst wurde. Dieser wird hier dukumentiert:

Prostitution ist keine Sklaverei. Prostitution ist eine berufliche Tätigkeit, bei der sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt angeboten werden. Ein solches Geschäft beruht auf Freiwilligkeit. Gibt es keine Einwilligung zu sexuellen Handlungen, so handelt es sich nicht um Prostitution. Denn Sex gegen den Willen der Beteiligten ist Vergewaltigung. Das ist auch dann ein Straftatbestand, wenn dabei Geld den Besitzer wechselt.
Prostitution ist nicht gleich Menschenhandel. Nicht nur deutsche Frauen, sondern auch Migrant_innen sind überwiegend freiwillig und selbstbestimmt in der Sexarbeit tätig. Prostituierte, egal welcher Herkunft, pauschal zu Opfern zu erklären, ist ein Akt der Diskriminierung.
Obwohl Prostitution im Volksmund als das älteste Gewerbe der Welt gilt, ist sie in den wenigsten Ländern als Arbeit anerkannt. Im Gegenteil, Sexarbeiter_innen werden in den meisten Teilen der Erde verfolgt, geächtet und von der Gesellschaft ausgeschlossen. Deshalb fordern Sexar-beiter_innen weltweit die Entkriminalisierung der Prostitution und ihre berufliche Anerkennung.

Diesen Gedanken verfolgte auch die Bundesrepublik mit der Einführung des Prostitutionsgesetzes im Jahre 2002. Durch die rechtliche Anerkennung hat sich die Situation für Sexarbeiter_innen in Deutschland verbessert. Sie können ihren Lohn einklagen und haben die Möglichkeit, sich zu versichern. Außerdem ist die Schaffung angenehmer Arbeitsbedingungen und Räum-lichkeiten nicht mehr als "Förderung der Prostitution" strafbar. An den Rechten der Polizei, Prostitutionsstätten jederzeit zu betreten, hat das Gesetz nichts geändert. Die Zahl der Razzien hat seitdem zugenommen.

Zwar hat das Prostitutionsgesetz Schwächen und eine Reform wäre notwendig. Das Hauptproblem ist jedoch nicht das Gesetz selbst, sondern der fehlende Wille zu seiner Umsetzung in den einzelnen Bundesländern.

Entgegen vieler Behauptungen ist das Prostitutionsgesetz nicht für den Menschenhandel in Deutschland verantwortlich. Wie aus dem Lagebericht "Menschenhandel" des BKAs hervorgeht, hat die Zahl der identifizierten Opfer seit seiner Einführung sogar abgenommen. Auch in Neuseeland, wo Prostitution seit 2003 als Arbeit anerkannt ist, ist keine Zunahme des Menschenhandels zu verzeichnen.
Zu den Faktoren, die Menschenhandel begünstigen, zählen globale Ungleichheiten, restriktive Migrationsgesetze sowie die Rechtlosigkeit der Betroffenen. Eine erfolgreiche Bekämpfung von Menschenhandel erfordert umfassende strukturelle Reformen auf globaler Ebene und einen menschenrechtsbasierten Ansatz.

Eine Kriminalisierung der Kund_innen, die erotische Dienstleistungen in Anspruch nehmen, ist zur Lösung dieser Probleme ungeeignet. Das sogenannte "Schwedische Modell" hat zwar die sichtbare Straßen-prostitution verdrängt, aber weder die Prostitution an sich, noch den Menschenhandel nachweislich reduziert. Die Arbeitsbedingungen haben sich indes extrem verschlechtert. Dänemark und Schottland lehnen die Einführung des „Schwedischen Modells“ bereits ab.


Darum fordern wir:

Beteiligung von Sexarbeiter_innen an politischen Prozessen,
         die sich mit dem Thema Prostitution befassen.

Keine Ausweitung der Polizeibefugnisse und keine staatliche    
         Überwachung oder Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten.

Keine Kriminalisierung der Kund_innen, weder nach dem
         Schwedischen, noch nach einem anderen Modell.

Aufklärung statt Zwang und Verbot, staatlich geförderte        
         Weiterbildungsangebote für Sexarbeiter_innen.

Kampagnen gegen Stigmatisierung und für einen respektvollen
         Umgang mit Prostituierten.

Bleiberechte, Entschädigungen und umfassende Unterstützung für
         Betroffene von Menschenhandel.

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