Dienstag, 18. September 2012

Bist du eher der Berg- oder Beach Typ?

"Action, Adrenalin, Abenteuer!"

Willst du "krasse Wasserwettkämpfe, crazy Strandspiele und coole Beachpartys"? Dann geh am besten zu der deutschen Luftwaffe nach Sardinien.

Oder doch lieber "zelten, grillen und Lagerfeuerpartys" für Kletterfreaks? Dann doch lieber zu den Gebirgsjägern in die berchdesgadener Alpen.

Und alles natürlich GRATIS!

So wirbt die Bundeswehr zur Zeit auf dem offiziellen YouTube Kanal des Jugendmagazins Bravo. Aber seht selbst:

[21.09.2012: leider, leider wurde das Video vom offiziellen Bravo-Youtube Channel gelöscht. Wir werden uns bemühen es schnellst möglich euch von anderer Quelle wieder zur Verfügung zu stellen]

Wie die Bundeswehr hier ihren kriegerischen Alltag als fette Strandparty an großteils 13-16 jährige vermarktet ist schon pervers genug, dass diese aber auch noch mit dem "Bundeswehr-Adventure-Camp" in dem Alter geködert werden ist skandalös.

Kein Wort von den umstrittenen Einsätzen der Bundeswehr, kein Wort vom töten, getötet werden, militärischem Alltag, unterordnung in ein perfides System von Unterordnund und Gehorsam und kein Wort vom sexistischen Normalzustand wo ja sogar Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind.

Da hat sich wohl jemand der Weißheit der Zigaretten Industrie bedient: "Hook 'em young, hook 'em for life."

______________________________

Update 20.09.2012:

Hier übrigens ein offener Brief des Bundessprecher_innenrates von Linksjugend ['solid] an die Bravo Redaktion und die Bundeswehr:


Sehr geehrte BRAVO-Redaktion, sehr geehrtes Bundeswehrpresseamt,der BundessprecherInnenrat der Linksjugend['solid] kritisiert den von
der Jugendzeitschrift Bravo auf ihrer Youtube-Präsenz in Kooperation mit
der Bundeswehr veröffentlichten Werbespot „Bw-Adventure Camps 2012“ auf
entschiedenste Weise.

Was sich die BRAVO hier geleistet hat, ist an Unangemessenheit kaum zu
überbieten. Einen Clip der Bundeswehr mitzupräsentieren und sie als
friedliche Spaßtruppe zu zeigen, ist für uns von der Linksjugend['solid]
vollkommen inakzeptabel.

Die Bundeswehr ist kein Disneyland mit zu viel Tarnfarbe, wie der Clip
zeigt. Die Bundeswehr ist eine Interventionsarmee, sie führt knallharte
Kriege um Rohstoffe und behauptet oft, sie täte das für Menschenrechte.
Es gibt viele Beispiele, die das Gegenteil von einer "Armee für
Menschenrechte" belegen. In den sogenannten Verteidigungspolitischen
Richtlinien (VPR) findet die BRAVO-Redaktion Näheres zum Aufgabenbereich
der Bundeswehr.

Die meistgelesene Jugendzeitschrift der BRD sollte nicht das Thema
Bundeswehr einfach nur bejubeln, bloß weil die Bundeswehr ein guter
Sponsor zu sein scheint. Die BRAVO sollte sich lieber kritisch mit dem
Thema Krieg und Frieden befassen, anstatt Jugendlichen das pralle
Strandleben bei der Bundeswehr vorzugaukeln. Das wäre unserer Auffassung
nach ein echter Schritt hin zu einer neutralen Berichterstattung.

Der Vorgang ist für ein Jugendmedium vor allem deswegen ein Skandal,
indem man mit der Bundeswehr gemeinsame Sache macht und durch pure
Verharmlosung von Krieg und Waffengewalt, hilft, unter Vorspiegelung
falscher Tatsachen Soldaten zu rekrutieren, noch dazu in einem Alter,
welches von der UN-Kinderechtskonvention als unzulässig eingestuft
wurde. Diese Konvention wurde 2004 von Deutschland ratifiziert. Näheres
dazu z.B.: unter http://www.aufenthaltstitel.de/unzusatzprotokoll.html

Die Bundeswehr selbst verfolgt hier offenkundig das Ziel, cool, trendy
und hip auszusehen und bei Urlauben Jugendliche für ihre Form von
"Miteinander" zu begeistern. Viele Jugendliche haben jedoch politisch
nicht die Erfahrung, um einschätzen zu können, dass man sie hier
unterschwellig für eine Karriere beim Bund und damit auch für
Kriegseinsätze begeistern will.

Unserer Auffassung nach braucht ein gesellschaftliches Miteinander keine
Armee. Miteinander braucht Demokratie und den Ausbau von örtlichen
Jugendzentren, in denen junge Menschen selbstbestimmt und frei von
Diskriminierung lernen, diskutieren und auch feiern können. Gewalt als
Mittel der Politik lehnen wir ab, folglich lehnen wir auch die
Bundeswehr ab.

Wir fordern von der BRAVO-Redaktion neben der sofortigen Beendigung
ihrer Kooperation mit der Bundewehr auch eine Entschuldigung, dass sie
bei der Propaganda für die Bundeswehr einfach so mitmacht und so tun,
als wäre es kein politisches Statement. Dass die BRAVO sich zu schämen
scheint oder es der Bundeswehr nicht in den Kram passt, dass man sie
kritisiert, sehen wir als Webnutzer_innen durchaus darin, dass unter dem
Video bereits die Kommentarfunktion deaktiviert wurde, nachdem es Kritik
hagelte und den mehrheitlichen Votes das Video nicht einmal gefiel.

Mit freundlichen Grüßen
Der BundessprecherInnenrat der Linksjugend['solid]


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen